Häufig gestellte Fragen zum Baronienbriefrollenspiel (Autor: Daniel Maximini) |
Wie oft kommt es vor,
daß ein junger enthusiastischer DSA-Spieler resp. eine DSA-Spielerin
einmal das Wort "Baronienbriefrollenspiel" aufgeschnappt hat,
und nun dringend wissen möchte, was es damit auf sich hat.
Erfahrungsgemäß kann man sich darunter zunächst einmal wenig
vorstellen - alles, was man weiß, ist, daß in diesem Spiel in gewissem
Maße offizielle aventurische Geschichte geschrieben wird, und daß es
wohl nur einem eingeschworenen Haufen von besonders privilegierten
Spielern vorbehalten ist. Nein, dem ist nicht so, denn das
Briefrollenspiel ist einfach nur eine andere Form des DSA-Spielens, eine
Abart, die Kreativität, Vernunft, ein anpassungsfähiges Verständnis
von Aventurien und eine Prise Geduld benötigt. Der folgende Text
soll nun die wichtigsten Fragen zum Einstieg in dieses Spiel klären.
Fragen, die einfach immer wieder gestellt werden, und die immer wieder
dieselbe Antworten hevorbringen:
Frage 1:
BARONIENBRIEFROLLENSPIEL - WAS IST DAS ÜBERHAUPT ?
Dem
aufmerksamen Spieler wird bereits aufgefallen sein, daß die
aventurische Welt sehr detailliert ausgearbeitet ist, jedes kleine Dorf
scheint ein Eigenleben zu haben, eine Besonderheit, einen bestimmten
Charakter. Das liegt daran, daß die Welterschaffung des DSA nicht auf
ein kleines Team beschränkt wurde, sondern daß eine Spielerschaft aus
mehr als 500 Spielern darin eingebunden wurde. Es wurde eine
Lehensvergabe ausgeschrieben, die Gewinner erhielten ihr kleines Stück
Land, ihre Baronie, die sie nach ihren Vorstellungen ausgestalten
konnten - sie wurden die sogenannten "Offiziellen". Die
Gewinner selbst spielten dann den Baron ihres Ländchens. Dieser Baron
stellte so etwas wie den "Helden" des Spielers dar. Und mit
diesem wurde nun das getan, was Barone vornehmlich tun: Intrigen
spinnen, Streitereien austragen, heiraten bzw. politisch heiraten, die
Ehefrauen resp. Ehemänner betrügen, mal den Nachbarbaron ärgern, eben
so in etwa das, womit ein Adliger des irdisch etwa 13. Jahrhunderts nach
unserer Vorstellung seine Zeit verbrachte. Diese Offiziellen konnten nun
ihrerseits Spieler für kleinere Dörfer in ihrem Lehen einsetzen, etwa
im Rang eines Edlen, Ritters oder Burgvogts. Diese wurden dadurch zu den
sogenannten "Halb-Offiziellen". Diese Halb-Offiziellen stellen
nun auch das dar, was ein Spieler anfangs erreichen kann, wenn er in das
offizelle Baronienbriefrollenspiel einsteigt. Die Wacht und
Verantwortung über ein kleines Dorf oder eine Burg, immer den Baron
über sich, der einem die schwerwiegenden Entscheidungen abnimmt. Als
Neueinsteiger übernimmt man so also das Spiel einer Person, die über
all den Unfreien und Freien steht, jedoch unter den Baronen, Junkern und
Vögten und all jenen, die noch über diesen stehen, seien es Grafen,
Provinzherren oder gar der Kaiser. Allein, an der Spielart oder dem
Spielsystem ändert dieser Status der Halb-Offiziellen nichts.
Frage
2: WIE GEHT DAS ÜBERHAUPT ?
Wie gesagt, im Briefrollenspiel
benötigt es keiner Helden, keiner Würfel und keiner Abenteuer. Das
Spiel wird heutzutage über das Internet, veraltet auch über Briefe,
gespielt. Man spielt in diesem Spiel keinen Helden, wie man ihn in den
diversen DSA-Boxen finden kann, sondern einen Edelmann oder eine
Edeldame, kreiert sich jene nach seinen Wünschen, staffiert sie mit den
Eigenschaften aus, die man an seinem Charakter am liebsten darstellen
möchte. Mit diesem Charakter zieht man nun nicht auf Questen und
Abenteuer aus, sondern spielt dessen alltägliches Leben am ihm
anvertrauten Flecken Aventuriens. Man unternimmt mit ihm Aktionen,
die oftmals in den Bereich der Politik fallen, denn als Edelleute in
einer Monarchie sind sie auch das, was in unserer Zeit die Politiker
sind. Nur natürlich mit mehr örtlicher Macht, wie sie heutzutage eine
Einzelperson erlangen kann. Was der Spieler / die Spielerin nun tun, ist
im Prinzip als "Geschichten schreiben" zu erklären. Man sucht
sich seine Mitspieler unter den vielen Edelleuten im Spielgeschehen
heraus (anfangs wohl noch zumeist der eigene Lehnsherr) und spielt mit
ihm gewisse Situationen in schriftlicher Form durch. Sprich: Man
schreibt einen Teil einer Geschichte, schickt diesen an den Mitspieler
weiter, der wiederum seinen Teil zu der Geschichte hinzufügt und sie
zurückschickt usw., so daß am Ende daraus eine komplette Geschichte
entsteht. Dies ist natürlich auch mit gleich mehreren Leuten machbar,
worin der besondere Reiz des Briefrollenspiels liegt, da jede Aktion auf
die der anderen Einfluß hat. Das Ergebnis des Spieles hängt auch
von der Wichtigkeit der Aktion ab. Es kann dem eigenen Spaß dienen, als
Gerücht in der Mailingliste der jeweiligen Provinz auftauchen,
vielleicht sogar als Artikel in einem der Regional-Fanzines erscheinen
oder - bei besonderer Bedeutsamkeit - im "Aventurischen Boten" Abdruck
finden. Je nach Wichtigkeit des Ausgespielten eben.
Frage 3: WIE
MELDE ICH MICH DA AN ?
Die gängigste Methode ist "Vitamin
B". Die Welt der DSA-Spieler ist bekanntermaßen klein, einfach mal
rumfragen, ob nicht jemand, der im Briefspiel engangiert ist, jemanden
kennt, der Bedarf an weiteren Mitspielern zum Unter-Belehnen hat. Sollte
dies nicht der Fall sein, kann auch der Kanzler der entsprechenden
Wunsch-Provinz kontaktiert werden - deren Kontaktadressen erscheinen
regelmäßig im "Aventurischen Boten". Diese werden sich dann
unter der bestehenden Spielerschaft ihrer zugeteilten Provinz umhören,
wer welche Posten zu vergeben hat. Allerdings ist es
erfolgsversprechender, einen Bekannten anzusprechen, der bereits im
Spiel 'drin' ist - der Bezug zur Person ist einfach ein anderer. Ist
nun ein Spieler gefunden, der sich bereit erklärt, einen als
"Aftervasall" ins Spiel aufzunehmen, so sollte man eine Art
Bewerbungsgeschichte schreiben. Kurzum, eine Geschichte, die den
Charakter vorstellt, den der Spieler gerne in diesem Amt spielen würde,
und v.a. warum dieser nun ausgerechnet in dieser Baronie ein kleines
Lehen erhält. Durch diese Geschichte kann der Belehnende die
Qualitäten des Anwärters einschätzen und entscheidet, ob ein
gemeinsames Spiel Sinn macht oder ob es eben besser ist, die Person
nicht in seinem Lehen ins Spiel einsteigen zu lassen. Wichtig dabei ist,
daß der Anwärter über ein recht gut ausgebildetes
Aventurienverständnis, etwas Hintergrundwissen, vielleicht noch einen
guten Schreibstil und vor allem über die Fähigkeit verfügt, auch
einmal Kritik vertragen zu können. Man muß sich den Vorgaben des
Spieles anpassen, und kann nicht alles realisieren, was in der eigenen
Spielrunde vielleicht kein Problem wäre, denn selbst bei über 500
spielenden Personen muß innerhalb des Baronienbriefspieles
gewährleistet sein, daß alle Teilnehmer in einer absolut kompatiblen
Weltsicht miteinander spielen. Man kann das Lehensspiel vergleichen mit
einem "Spiel der Meister". Es gibt keine Einzelperson, die
vorträgt - alle tragen die Geschehnisse für alle vor.
Frage 4:
WIE MUSS DIESER CHARAKTER AUSSEHEN ?
Hierzu zunächst die
Grundregel: Kein Lehen ohne blaues Blut in den Adern. Wer ein Lehen
möchte, muß praktisch schon einen Vater oder eine Mutter haben, die
ein "von" und "zu" im Namen trägt. Über die
Herkunft gibt es zwei Möglichkeiten sich den Geschlechternamen zu
bilden. Entweder man nimmt unbekannten Adel, sprich: man erfindet
schlichtweg einen Namen wie z.B. Alrik von Husteguzzie oder man wählt
den Namen einer bereits bestehenden Adelsfamilie wie Sturmfels oder
Rabenmund etc. , um einmal die bekanntesten zu nennen. Für diese Namen
müsste man sich natürlich vom entsprechenden Spieler des Hauses eine
Genehmigung einholen, man darf sich nicht einfach so von Berg nennen,
denn wenn man zu dieser Familie gehört, dann sollte man davon ausgehen,
daß das Sippenoberhaupt einen auch als Verwandten kennt und anerkennt.
Dies ist zwar mit etwas mehr Aufwand verbunden, hat aber den Vorteil,
dass man als Mitglied eines bestehenden Hauses auch mehr Bezug zum
politischen Geschehen hat und hier und da Vetternwirtschaft genießen
kann. Ui Bennain wird nun mal höher angesehen als eine Ni Mandsland,
auch wenn womöglich beide denselben Rang bekleiden. Den Charakter
selbst, seine Wesenszüge kann man gestalten, wie man lustig ist - man
braucht nicht davor zurückzuschrecken, mal einen dickwanstigen Gauner
zu spielen, der für etwas Macht seine eigene Mutter verkaufen würde.
Man sollte nur nicht vergessen: Er ist ein Edelmann. Er muß nicht edel,
ritterlich und zuvorkommend sein, aber er muß als das auftreten, was er
ist - als ein mächtiger, einflußnehmender Adliger. Den das ist quasi
der Heldentypus den man spielt - einen Adligen.
Frage 5: WAS
MUSS DER FÜR WERTE HABEN ?
Gar keine. Es werden keine Proben
gewürfelt oder Talente abgefragt, es liegt vielmehr im eigenen
Ermessen, ob die eigene Figur eine Situation meistert oder nicht. Hier
wird wohl am ehesten an den Sinn für Realismus des Spielers appelliert.
Generell gilt: Spielercharakter ist und bleibt Spielercharakter! Niemand ist
berechtigt, in sein Handeln, in seinen Willen einzugreifen. Wenn ein
Spieler sagt, daß er es nicht wünscht, daß sein Held im Verlauf einer
kriegerischen Auseinandersetzung stirbt, so ist das zu akzeptieren. Natürlich
wird vom Spieler vorausgesetzt, daß die Handlungen seiner Figur logisch
bleiben. Allerdings schadet es auch nicht, vielleicht im nachhinein
doch einen Heldenbrief für seinen Adligen zu erschaffen. Ganz allein
aus dem Grund, weil fast jede Region einmal im Jahr ihren Provinz-Con
abhält, und man bei den dortigen Abenteuerplots wohl am liebsten mit
seinem Adelscharakter Einfluss auf die Geschicke des Landes nehmen
möchte. In normalen Con-Abenteuern gelten für diese Edelleute
natürlich wieder die gewöhnlichen Spielrundenregeln, sprich: wer
stirbt, kann nicht mehr plötzlich sagen: "Das will ich aber
nicht!" Das ist nunmal ein Risiko, das man wissentlich eingeht,
wenn man seinen Adelscharakter auf ein ABENTEUER schickt, während das
normale Spiel für ihn eher eine ALLTAGSSITUATION darstellt.
Frage
6: WIE ZEITAUFWÄNDIG IST DAS GANZE ?
Es ist so zeitaufwendig,
wie man selbst bereit ist, Zeit dafür zu investieren. Man muß nicht
spielen! So kann es mitunter auch sein, daß man im Spiel mit anderen
Adelscharakteren recht lang auf eine Antwort warten muß. Wer keine Zeit
hat, hat eben keine Zeit. Man wird im Briefrollenspiel vor allem zu
nichts verpflichtet! Man fragt an, wenn man mit einer Person etwas
bestimmtes ausspielen will, bzw. man informiert sie, falls man etwas
bestimmtes im Lehen eines Spielers unternehmen möchte, was sein
Einverständnis erfordert. Oder man spricht die Leute direkt an, wenn
z.B. Gerüchte auftauchen, denen man gerne nachgehen würde. Natürlich
ist es nicht Sinn der Sache, als "Karteileiche" zu enden, wie
es schon viele taten! Wenn man also absehen kann, für Jahre nichts mehr
in das Spiel einbringen zu können, dann sucht man sich besser direkt
einen Verwalter, um so das Spiel nicht zu behindern. Aber in der Regel
liegt es in der eigenen Hand, wie viel Zeit man für das Spiel
aufbringt. Zudem wird man die Erfahrung machen, daß die Zeit, die
man für das Spiel investiert, zumeist genau die ist, in der man sich
eher langweilt - sozusagen als Lückenfüller und Entspannung zwischen
stressigen Zeiten. Genau dafür dient das Hobby, eben genau dann, wenn
man gerade einmal am liebsten in eine andere Welt entschlüpfen würde.
Man hat hier Gelegenheit, genau das zu tun, diese Phantasie aufs Papier
zu bringen und ihr Leben einzuhauchen, und ein Stück quasi in ihr zu
leben, um das ganze stressige Drumherum für eine kurze Zeit zu
vergessen ...
Frage 7: WIE GEHT ES WEITER, WENN ICH EIN LEHEN
HABE ?
Nun, auch daß bleibt dem Spieler selbst überlassen.
Anfangs wird wohl der eigene unmittelbare Lehnsherr am häufigsten mit
dem Neuling spielen, um ihn in das Lehen und die Region einzuführen und
evtl. Fragen zu beantworten. Ist dieser Schritt getan, kann man mit dem
Edlen machen, was man möchte. Dabei kann es sehr hilfreich sein, sich
in die Mailingliste der jeweiligen Provinz einzutragen. Dort erscheinen
immer mal wieder Gerüchte, denen man nachgehen kann, die man in sein
Spiel einbeziehen kann. Aber auch als internes Kommunikationsmedium ist
diese Mailingliste praktisch, zum einen lernt man darüber die anderen
Spieler kennen, zum anderen lernt man auch davon und wird stets auf dem
neusten Stand gehalten. Dasselbe gilt für die Provinzpostillen, die es
virtuell oder in Papierform für jede Region des Mittel- und des
Horasreiches gibt. Darin enthalten sind dann meist auch die
innerpolitischen Geschehnisse. Also das, was besonders interessant für
einen Edlen der Region ist. Denn wer schielt nach Gareth oder Thorwal,
wenn vor seinem Windhager Fischerdorf sich ein Fischsterben ankündigt,
welches seinen Ursprung in der Nachbarbaronie hat? Des weiteren kann man
auch Spielerverzeichnisse, sogenannte Calendarien ordern - in ihnen sind
Lehensbezeichnungen, Namen der Adligen und die Adressen von deren
irdischen Spielern angegeben, so daß man diese bei Bedarf ohne Mühe
kontaktieren kann. Diese sind zumeist über den jeweiligen
Provinzkanzler erhältlich.
Frage 8: PROVINZKANZLER? WAS IST
DAS?
Die Provinzkanzler sind von der DSA-Redaktion ausgewählte
Spieler, die als Ansprechpartner für Fragen zu einer jeweiligen Region
dienen. Sie agieren dort sozusagen als Schiedsrichter, und sind auch
für die Spieler und deren Aktionen in der ihnen zugeteilten Region
verantwortlich. Oft gibt es Geschehnisse, deren Ausgang durchaus
verändernden Einfluß auf die gesamte Region nimmt, und je nach
Wichtigkeit der Geschehnisse, muß der Kanzler sein "o.k."
dazu geben, oder ggf. erst selbst mit der DSA-Redaktion
Rücksprache halten, damit das Spiel mit deren Vorstellungen kompatibel
bleibt.
Frage 9: WAS MUSS ICH BEACHTEN, WENN ICH AM
BRIEFROLLENSPIEL TEILNEHME ?
Dazu kann ich nur die drei
wichtigsten Regeln überhaupt im Briefrollenspiel zitieren: Regel 1:
Denke niemals auch nur im geringsten Fall, daß Du im Briefspiel etwas
erreichen könntest. So bleibst Du vor Enttäuschungen bewahrt, denn es
gibt immer irgendjemand, der die Möglichkeit hat, dich zu überstimmen,
falls ihm dein Vorschlag nicht gefällt. Da kann eine Aktion noch so
schön ausgearbeitet sein, wenn diese eine Person etwas dagegen hat,
dann ist alles weitere vergebene Liebesmüh! Versuche also einfach, das
beste aus deinem Spiel zu machen, und es so zu spielen, daß es dir
selbst (und anderen) Spaß bereitet! Regel 2: Übe dich in Geduld,
du wirst sie brauchen! Niemand sollte das Spiel wichtiger nehmen als
andere Sachen - es ist ein Hobby, und hat immer hinten an zu stehen!
Auch lasse dich nicht zum Spielen drängen, wenn du keine Zeit hast. Regel
3: Im Briefspiel gibt es keine Ikonen, vor denen man auf die Knie fallen
müsste! Es sind alles bloß Menschen mit einem gemeinsamen Hobby. Es
ist unwichtig, ob dein Mitspieler vielleicht einen bekannten Namen hat
oder nicht. Denn im Endeffekt wollen alle nur das eine - ein
stimmungsvolles Spiel! Und du trägst deinen Teil dazu bei, als
gleichwertiger Mitspieler, der die selben Rechte und Pflichten wie jeder
andere mit ins Spiel bringt.
Frage 10: SONST NOCH WAS ?
Nö,
das war's! Viel Spaß beim Baronienbriefrollenspiel!
Daniel
Maximini, 28. Mai 2002 |
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